ADDISON / Hypoadrenokortizismus

 

 

 

Informationsblatt – Addison Klinikum Veterinärmedizin Klinik für Kleintiere Justus-Liebig Universität Gießen

 

 

 

Was ist eine Addison-Erkrankung?

 

 

Bei der Addison-Erkrankung (oder auch Hypoadrenokortizismus) kommt es zu einer Unterfunktion der Nebennieren. Dabei handelt es sich um kleine, hormonproduzierende Organe in der Nähe beider Nieren. Am häufigsten kommt es durch eine sogenannte Atrophie (Abbau von Gewebe) der Nebennieren zu deren Unterfunktion. Die genaue Ursache dieser Atrophie, die manchmal auch mit einer chronischen Entzündung der Nebennieren einhergehen kann, ist nicht bekannt. Die Erkrankung kommt typischerweise bei eher jungen erwachsenen Hunden vor, ist aber in jedem Alter möglich. Der Addison ist bei bestimmten Rassen erblich (z.B. Portugiesischer Wasserspaniel, Pudel, Nova Scotia Duck Tolling Retriever, Bearded Collie), bei anderen wird die Erblichkeit vermutet (Leonberger, Deutsche Dogge, West Highland White Terrier, Soft Coated Wheaten Terrier). Bei der Katze ist die Erkrankung insgesamt extrem selten.

 

Was für Symptome zeigt ein betroffenes Tier?

 

 

Es gibt zwei typische klinische Verlaufsformen der Erkrankung. Meist handelt es sich um einen chronischen schleichenden Krankheitsverlauf ohne Hinweise auf ein bestimmtes Organsystem. Am häufigsten zeigen betroffene Tiere Apathie, Anorexie (Verweigern der Futteraufnahme) und Schwäche. Ebenfalls häufig gesellen sich dann Symptome des Magendarmtraktes wie Erbrechen (auch z.T. nur phasenweise) oder Durchfall (gelegentlich auch blutig) dazu. Seltenere Symptome sind Gewichtsverlust, Zittern, Speicheln, vermehrte Wasseraufnahme und vermehrter Urinabsatz sowie Bauchschmerzen. Eher selten ist dagegen die sogenannte „Addison-Krise“, bei der die Hunde einen sehr akuten schweren Krankheitsverlauf – oft nach einer Phase unspezifischer Symptome wie Lethargie und Erbrechen – zeigen und mit Kollaps, sehr schlechter Kreislaufsituation und gelegentlich Herzrhythmusstörungen/ Bradykardie (langsamer Herzschlag) vorgestellt werden.

 

Was wird der Tierarzt tun, um die Diagnose zu stellen?

 

 

Häufig bekommt der Tierarzt schon bei einer normalen Blutuntersuchung Hinweise auf das Vorliegen eines Addison. Besonders typisch sind dabei bestimmte Elektrolytverschiebungen (Hyponatriämie = niedriger Natriumblutspiegel; Hypochlorämie = niedriger Chloridblutspiegel und Hyperkaliämie = hoher Kaliumblutspiegel). Allerdings müssen diese Veränderungen nicht alle gleichzeitig vorliegen. In seltenen Fällen finden sich auch keine Elektrolytveränderungen. Zusätzlich haben betroffene Tiere häufig eine Anämie (Blutarmut) und erhöhte Nierenwerte. In vielen Fällen kann die Erkrankung anfänglich von einer schweren Niereninsuffizienz (Nierenversagen) nicht unterschieden werden. Deswegen wird der Tierarzt häufig zusätzlich auch eine Urinuntersuchung durchführen müssen. Diagnostisch ist letztendlich ein sogenannter ACTH-Stimulationstest, bei dem die Funktion der Nebenniere überprüft wird. Dafür wird Blut abgenommen, ein Hormon (ACTH = Adrenokortikotropes Hormon) gespritzt (entweder in die Vene oder den Muskel) und nach 1 Stunde noch mal Blut abgenommen. Das Ergebnis gibt eindeutig darüber Auskunft, ob ein Addison vorliegt oder nicht. Allerdings darf vor einem solchen Test kein Kortison-Präparat gegeben oder gespritzt worden sein, da dies die Ergebnisse des Tests verfälschen kann.

 

 

Ist die Erkrankung heilbar bzw. was ist die Therapie?

 

 

In der „Addison-Krise“ (s.o.) benötigen die betroffenen Tiere eine schnelle und intensive Therapie. Häufig ist vor allem der Flüssigkeitsverlust massiv, so dass eine Infusionstherapie über mehrere Tage nötig ist. Zusätzlich müssen – nach Diagnosestellung mittels ACTH-Stimulationstest (s.o.) – die fehlenden Nebennierenhormone in Tablettenform verabreicht werden. Dabei handelt es sich um eine lebenslange Therapie. Häufig reicht es aus, ausschließlich die sogenannten Mineralokortikoide, die den Elektrolythaushalt stabil halten, zu geben (der Wirkstoff heisst Fludrokortison). In manchen Fällen müssen zusätzlich entweder dauerhaft oder in Zeiten von Stress, Aufregung oder Anstrengung (z.B. wenn Sport betrieben wird oder eine Reise ansteht) Glukokortikoide (also „Kortison“ im klassischen Sinne) verabreicht werden, da sich sonst wieder Symptome wie Mattigkeit und Schwäche zeigen. Die betroffenen Tiere haben mit dieser Therapie eine normale Lebenserwartung, eine lebenslange Medikamentengabe und regelmässige Kontrolle der Elektrolytwerte beim Tierarzt ist allerdings nötig. Die Durchführung eines ACTH-Stimulationstests zur Therapiekontrolle ist dagegen nicht sinnvoll, da die Funktion der Nebennieren dauerhaft unzureichend bleibt.